Donnerstag, 23. Mai 2013

Die Farben des Regenbogens


Wenn ich mich einlasse
auf den violetten Weg
der Umkehr
Und mich wiederfinde
im Blau deiner Königsherrschaft

Wenn ich dort erfahre
im leuchtenden Grün
neues Leben
Das unendlich einmündet
in goldene Ewigkeit

Wenn das Morgenrot
der Auferstehung
orange erstrahlt
Ich mich bergen darf
im Schutz deines Blutes
Meine Freiheit hast du
mit deinem Blut
teuer gezahlt
Meinen Tod überwunden
im Morgenrot

Mir eine Wohnung bereitet
bleibende Stadt
im ewigen Licht
Überfließendes Leben
das heute schon ist

Durchströmt mein Dasein
mit der Gegenwart
deiner Majestät
Wo einzig deine Güte
mich zur Umkehr führt

Versöhnt mit dir Vater
angekommen
im Frieden
Im Licht des Regenbogens
Du bist für mich


Vor einem jahr hat Benni mich / uns für immer verlassen. Zum Andenken an sie führe ich ihren blog weiter mit Einträgen aus ihrer Gedicht- und Aphorismensammlung. Hier ein Gedicht, das sie vor etwa zehn Jahren geschrieben hat und das etwas von ihrem Glauben an den himmlischen Vater verdeutlicht.  
                                                                Ulrich Buddeberg. 

Sonntag, 5. Mai 2013

Kinder der Welt



Nachtrag zum Thema des Kirchentags in Hamburg



Alle Kinder dieser Welt
sind vom Licht her geboren
doch von Erde genommen
seien sie gelb oder weiß oder schwarz
suchen trotz Sonne und Morgenrot
nach dem wirklichen Licht
und woher sie kommen

Sie sind kostbar wie Perlen
und zerbrechlich wie Glas
brauchen Mantel und Liebe und Brot
brauchen Fragen zu wachsen
und Antwort auf Sehnsucht
nach Leben nach Licht und nach Gott

Alle Kinder dieser Welt
haben Freiheit zu wählen
auf ihrem Weg durch den Tag
seien sie gelb oder schwarz oder weiß
was sie tun wollen oder lassen
müssen’s selber entscheiden
ob Licht sie wohl leiten mag

Sie sind kostbar wie Perlen
und zerbrechlich wie Glas
brauchen Mantel und Liebe und Brot
brauchen Fragen zu wachsen
und Antwort auf Sehnsucht
nach Leben nach Licht und nach Gott

Alle Kinder dieser Welt
dürfen lernen zu sehen
dass die Farben verschieden sind
seien sie schwarz oder weiß oder gelb
sind sie doch nur eine Brechung
des unendlichen Lichtes
das leuchten will in jedem Kind

Sie sind kostbar wie Perlen
brauchen Mantel und Liebe und Brot
brauchen Fragen zu wachsen
und Antwort auf Sehnsucht
nach Leben nach Licht und nach Gott

       (Text: Benedikta Buddeberg; Hervorhebungen: Ulrich Buddeberg)

Dienstag, 12. Februar 2013

Sturmgezeiten


Ein Gedicht - nicht nur über Naturkatastrophen


Sturmgezeiten
haushohe Wellen
angstanspülend
und dann
zurückweichend
weit nach draußen
hinterlassen
fast trockenen Grund

Ein Narr der glaubt
es sei vorbei
ein Narr der glaubt
der Sturm sei besiegt
ein Narr
der Land kauft bei Ebbe

Sturmgezeiten
unveränderlich
abhängig vom Mond
zyklisch korrekt
fast berechenbar
nur die Wucht
der anschlagenden Wellen
ist unkalkulierbar

Ein Narr der glaubt
Natur sei beherrschbar
ein Narr der glaubt
an technische Machbarkeit
ein Narr der hofft
es verginge von selbst

Den Sturmgezeiten
widerstehen
wie ein Fels
in der Brandung
die Freiheit
des Widerstands schmecken
oder die Welle
berechnend nutzen
auf ihrer Krone
die Freiheit
triumpfal erfahren

Den Sturmgezeiten
widerstehen
oder
untergehen




Dienstag, 8. Januar 2013

Zeitrechnung



Wir rechnen mit der Zeit
Ganz Fortschrittliche rechnen
bereits in Sternzeit
Der moderne Zeitgenosse
rechnet dem Zeitgeist angemessen
vor Beginn unserer Zeitrechnung
oder eben
nach Beginn unserer Zeitrechnung

Unsere Zeitrechnung
begann
mit dem angenommenen
Geburtsjahr
eines jüdischen Rabbi
im damalig römischen Protektorat
namens Galiläa
Jener Rabbi
Jesus von Nazareth
auch Christus genannt
oder hebräisch Messias
gab unserer Zeitrechnung den Namen
vor Christus
oder eben
nach Christus

Nun meint
schon erwähnter Zeitgeist
die Zeit nach Christus
sei Vergangenheit
also nicht mehr zeitgemäß

Selbst wer nicht in Sternzeiten rechnet
sollte damit rechnen
dass nach unserer Zeitrechnung
Christus sein wird
Vor Christus und nach Christus
Christus

Rechenfehler haben
in allen Zeitrechnungen
fatale Folgen

Damit sollten wir rechnen



Aus dem Gedichtband 'Bethlehem eben' 
2008 herausgegeben von Benedikta Buddeberg 
 
 
 


Montag, 24. Dezember 2012

Relativ und absolut



Der Mars
ein relativ kleiner Planet
in einem relativ kleinen Sonnensystem
kommt uns nahe
relativ nahe
für astronomische Verhältnisse

so nah
wie seit sechzigtausend Jahren
relativ selten
für menschliche Verhältnisse

Der Mars
der männliche rote Planet
benannt nach einem selbsterdachten Gott
eines relativ kleinen Volkes
einer relativ kurzen Epoche
als Antike bekannt

Die Menschen
sind absolut begeistert
drängen sich um Teleskope
um die Polkappen zu sehen
beten quasi um klare Sicht
und sind dankbar für die Stunde ihrer Geburt


Jahwe
der absolut höchste Gott
Herr und Schöpfer der Sonnensysteme
kommt uns nahe
absolut nahe
nicht nur für irdische Verhältnisse

einmal
für dreiunddreißig Erdenjahre
absolut Mensch
für göttliche Verhältnisse

Jahwe
der menschgewordene Gott
geboren von der Jungfrau Maria
in ein absolut kleines Volk
unter absolut unwürdigen Umständen
als Jesus Christus bekannt


Die Menschen
sind relativ uninteressiert
drängen sich in Einkaufsstraßen
um dem Fest einen Sinn zu geben
suchen quasi nicht nach Gott
und relativieren das Ereignis dieser Geburt

Schon immer fiel es Menschen schwer
jenen absolut relativen Individuen
Relatives von Absolutem
Wesentliches von Vorläufigem
zu unterscheiden



Aus dem Gedichtband 'Bethlehem eben' 
2008 herausgegeben von Benedikta Buddeberg


Sonntag, 9. Dezember 2012

Hintergrund


Die Zeitungen und andere Medien sind voller Ankündigungen
von größeren oder kleineren "Weihnachts"-Märkten.
Aber hat das alles eigentlich etwas mit Weihnachten zu tun?


Hintergrund

Verdrängt überlagert verbaut
in den Hintergrund verbannt
durch Karusselmusik und Bachkonzert
Herzbuben und Klingelingeling
die Ohren betäuben
wie Kanonenschlag und Detonation
Im Hintergrund
der Lobgesang der Engel

Verdrängt überlagert verbaut
in den Hintergrund verbannt
durch Glühwein und Würstchen
Bratäpfeln und Galamenues
die sich auftürmen
wie die Grenzmauer des Schlaraffenlands
Im Hintergrund
das Brot des Lebens

Verdrängt überlagert verbaut
in den Hintergrund verbannt
durch Lichterketten und Kerzenmmeer
Hallogenrausch und LEDgeflacker
die die Sicht verblenden
wie der Blitz einer Atomexplosion
Im Hintergrund
das Licht der Welt

Verdrängt überlagert verbaut
in den Hintergrund verbannt
durch Weihnachtsfeiern und Weihnachtskonzerten
Weihnachtstheater und Weihnachtsmärkten
die den Sinn verkaufen
wie der billige Jakob beim Marktschreierfest
Im Hintergrund
der Mensch gewordene Gott

Verdrängt überlagert verbaut
in den Hintergrund verbannt
durch Friedensgesprächen und Festagsreden
Spendenmarathons und Sozialromantik
die das Gewissen beruhigen
wie das bekannte Opium für’s Volk
Im Hintergrund
das Kind in der Krippe

Hinter den Festagsgebräuchen
im ach so christlichen Abendland
findet sich wirklich
Jesus
das Brot des Lebens
das Licht der Welt
das Kind in der Krippe
der Mensch gewordene Gott
dem die Engel Tag und Nacht singen
Wer ihn sucht wird ihn finden
im Hintergrund
den Grund


Sonntag, 25. November 2012

Der Maler


(In Köln wird bis zum Ende des Jahres die sehr sehenswerte Ausstellung '1912 – Mission Moderne' gezeigt. Hier dazu das passende Gedicht.)


Der Maler

Jeden Morgen
vor dem Spiegel.
Dein müdes Gesicht
sieht, was Lippen
zwischen Bartstoppeln
lautlos formen:
„Wer bist du eigentlich und
was machst du hier?“

„Kunst“, antwortet die Stimme,
„ich mache hier Kunst.“

Höhnisch
grinst der im Spiegel:
„Kunst also meinst du -
brotlose Kunst,
würde ich sagen.
Oder ist da jemand,
den das interessiert,
was du hier machst?"

„Malen“, flüstert die Stimme
„ich muss malen.“

Verachtung
schwappt aus dem Spielgel.
„Malen, ach wirklich?
Hat denn schon mal
jemand ein Bild gekauft,
außer damals
dein Bruder
aus reinem Mitleid?“

„Maler“, bebt die Stimme,
„ich bin ein Maler.“

„Wahnsinn“,
schimpft der Spiegel.
„Keiner will es sehen,
keiner will es kaufen.
Dir fehlt Promotion.
Das mit dem Ohr
war ein guter Versuch -
hundert Jahre zu früh!“

„Maler!“, schreit die Stimme,
„ich bin Vincent, der Maler!“



Das Selbstportrait von Vincent van Goch kann man auf der Homepage des Walraf-Richartz-Museums in Köln anschauen: